DAS BENEDIKTINERKLOSTER ELCHINGEN

Auf einem Ausläufer der Schwäbischen Alb über der Donau grüßt die ehemalige Klosterkirche Elchingen weit ins Land.

Sie erinnert an die 1802/03 säkularisierte Reichsabtei Elchingen, die zu Beginn des 12. Jahrhunderts gegründet wurde. Stifter waren der edle Adalbert von Elchingen-Ravenstein und seine Frau Berta, Schwester des Stauferkönigs Konrad III., sowie ihre Tochter Luitgard und deren Gemahl Markgraf Konrad von Meißen.

Im Laufe von sieben Jahrhunderten erlebte das Benediktinerkloster, das 1485 die Reichsunmittelbarkeit erlangte, eine sehr wechselvolle Geschichte. Einen Tiefpunkt stellten die Zerstörungen im Dreißigjährigen Krieg dar. Aus der damaligen Not heraus entstand 1644 in Verbindung mit einer Erzbruderschaft eine bedeutende Wallfahrt zu den Sieben Schmerzen Mariens, die bis heute existiert.

Ebenso haben deren Urkunden und Zeugnisse die Zeit überdauert. Die im Kern romanische Kirche aus der Gründungszeit wurde 1773 durch einen verheerenden Brand erheblich zerstört. Ihre heutige prachtvolle Gestalt geht auf die anschließende gründliche Renovierung im Übergang vom Rokoko zum Klassizismus zurück. Die Deckengemälde schuf der bekannte kurtrierische Hofmaler Januarius Zick. Als maßgeblicher und zeitgemäßer „Verzierungsdirektor“ erhielt er den Vorzug vor dem einheimischen Rokokomaler Joseph Wannenmacher. Von ihm hat sich dennoch ein großartiges Ensemble seiner Werke in Elchingen erhalten.

Zeugnisse seiner Kunst finden sich außerdem im ehemaligen Elchinger Territorium, so in Straß und Thalfingen, und darüber hinaus in Deggingen/ Fils, Schwäbisch Gmünd und Rottweil. Höhepunkt seines Schaffens war die Ausmalung der Kathedralkirche und Bibliothek von St. Gallen.

VEREINSZIELE

Zahlreiche archäologische Funde, Urkunden, wertvolle Paramente und Kunstwerke der Malerei und Bildhauerei als überlieferte Zeugnisse der Klostergeschichte warten auf dringend erforderliche konservatorische Maßnahmen zu ihrem Erhalt.

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gewählt bei der MV 2024 bis MV 2027

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Schatzmeister: Alexander Straub
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Beisitzer: Franz Walter, Karin Batke, Manfred Bittner

GESCHICHTE DES KLOSTERS ELCHINGEN

Die erste Gründung des Klosters erfolgte im ersten Viertel des 12. Jahrhunderts, wohl vor 1120 am linken Ufer der Donau. Der Name der kleinen Benediktinerabtei ist nicht bekannt. Stifter waren Graf Adalbert von Elchingen-Ravenstein, aus einer Seitenlinie der Grafen von Dillingen, und seine Gemahlin Berta von Staufen (1090–1141) mit der er seit 1104 verheiratet war. Berta war eine Tochter des Staufers Herzog Friedrich I. von Schwaben der mit der Tochter Kaiser Heinrich IV., Agnes von Waiblingen (1072/73–1143), verheiratet war. Berta hatte zwei Brüder den späteren Schwabenherzog Friedrich II., Vater des Kaisers Friedrich I. Barbarossa, und Konrad, den späteren König Konrad III. Papst Kalixt II. (1119–1124) stellte das Kloster unter seinen Schutz.

Nach dem Tod des letzten Salier-Kaisers Heinrich V. erhob dessen Verwandter Konrad von Staufen Anspruch auf die Erbfolge; die Fürsten wählten jedoch den Sachsenherzog Lothar von Supplinburg als Lothar III. zum deutschen König und Kaiser †1137. Es kam zum Salischen Erbfolgekrieg, der mit der Niederlage Konrads endete. Neben Lothar III. waren sein Schwiegersohn Heinrich der Stolze, Herzog von Bayern, und Konrad, Markgraf von Meißen besonders erfolgreich: 1134 Zerstörung Ulms und wohl auch der Burg Elchingen.

Das Ehepaar Adalbert von Elchingen und Berta hatte eine Tochter Luitgard (Lucia) 1105–1147; diese wurde mit dem sächsischen Adeligen Konrad von Meißen, genannt Konrad der Große, 1098–1157, aus dem Hause Wettin, verheiratet. Markgraf Konrad hatte kein Interesse die über seinen Schwiegervater ererbte Burg Elchingen wieder aufzubauen und übergab die Ruine an das Kloster im Donautal, welches seitdem Kloster Elchingen genannt wurde. Konrad und Luitgard gelten daher als zweite Klostergründer. Mönche aus dem Reformkloster Hirsau sollen bei der Erneuerung der Gemeinschaft beteiligt gewesen sein.

Die Benediktinerabtei wurde 1142 dem Schutz von Papst Innozenz II. (1130–1143) unterstellt. Der 15. August 1142 gilt als Weihedatum der im romanischen Stil neu erbauten Klosterkirche, welche im Kern bis heute erhalten ist. Die Weihe vollzog der Augsburger Bischof Walter.

In einem Schutzbrief des Papstes Honorius III. (1216–1227) von 1225 werden die Besitzungen des Klosters aufgelistet. Diese stammten wohl aus den Heiratsgütern von Berta und Luitgard. Damals verfügte das Kloster über Güter in ca. 80 Orten.

Von den Äbten und Mönchen des Hochmittelalters ist auf Grund fehlender Urkunden kaum etwas bekannt, v. a. wegen des Brandes des Elchinger Archivs in Ulm im Jahr 1395.

Unter Abt Friedrich Zwirner (1431–1461) erlebte das Kloster einen ökonomischen und sittlichen Aufstieg. Die Bedeutung des Klosters nahm unter Abt Paul Kast (1461–1498) weiter zu und so erhielt es bei einem Besuch des Kaisers Friedrich III. – aus dem Hause Habsburg – 1485 den Status eines reichsunmittelbaren freien Reichsstifts.

Im Bauernkrieg 1525 wurde das Kloster durch den ‚Leipheimer Haufen‘ geplündert. Im Smalkaldischen Krieg 1546 erfolgte eine Zerstörung durch Ulm wegen der Weigerung zum evangelischen Glauben überzutreten. Eine erneute Plünderung fand im ‚Markgrafenkrieg‘ durch Albrecht von Brandenburg 1552 statt. In der Regierungszeit der Äbte Erhard Wassermann (1567–1581), Gallus Keppler (1581–1602) und Thomas II. Holl (1602–1619) konnte die enorme Schuldenlast des Klosters reduziert und eine Konsolidierung herbeigeführt werden.

Im 30jährigen Krieg gab es zahlreiche Plünderungen, Einquartierungen und Misshandlungen durch Schwedische und Kaiserliche Truppen im Kloster und den Klosterorten. Auch wütete die Pest im Land.

1644 erfolgte die Gründung der Bruderschaft von den ’Sieben Schmerzen Mariens‘ unter Abt Johannes IV. Treu und die Bestätigung durch Papst Urban VII.

Großes Ansehen genoss Abt Meinrad Hummel (1685–1706); von Bedeutung ist die präzise Vermessung, Kartierung und Anlage eines Atlasses des Klostergebietes unter seiner Leitung.

Der Spanische Erbfolgekrieg (1701–1713/14) brachte das Kloster durch erpresste Geld- und Sachleistungen der verschiedenen durchziehenden Kriegsparteien an den Rand des Ruins.

Hummels Nachfolger Coelestin Rieder (1706–1740) und Amandus Schindele (1740–1763) gelang nach und nach wieder eine Konsolidierung und so konnten sie eine reiche Bautätigkeit entfalten: Martinstor, Amtshaus (heute Haus der Elchinger Geschichte), Sommerhaus des Abtes, Kirche v. Straß, Neuausgestaltung der Klosterkirche und von St. Laurentius Thalfingen im Rokokostil. Die Einnahmen aus der Wallfahrt zur Schmerzhaften Muttergottes trugen zum Schuldenabbau und zum Tragen der Baukosten bei.

Eine große Blütezeit erlebte das Kloster unter Abt Robert I. Kolb (1766–1793): Durch Blitzschlag brannte die Klosterkirche 1773 z. T. ab; den Abschluss der Umgestaltung des Chorraumes und der Renovierungsarbeiten bildeten die Fresken von Januarius Zick 1782/83.

Unter Abt Robert erfolgte der „Große Kauf“ von Ulm, durch den er nun die vollen landesherrschaftlichen Rechte, d. h. Hochgerichtsbarkeit, für das Klostergebiet auch nördlich der Donau erwarb. Er führte im Klosterstaat die Handwerkerzünfte ein (siehe Handwerkerfahne von 1775). Unter Robert I. wurde das Gesundheitswesen durch Vertragsärzte verbessert und im Klosterterritorium wurden 1787 Normalschulen eingeführt. Besonderes Ansehen genoss die Elchinger Klosterschule, an welcher auch theologische und philosophische Studien erfolgen konnten. Eine enge Zusammenarbeit und Austausch erfolgte mit der Universität Salzburg.

Abt Paul II. Gröbel (1793–1801) und das Kloster hatten in den Revolutionskriegen erneut größte Belastungen zu meistern.

Abt Robert Plersch (1801–1802) war der letzte Reichsprälat. Noch vor dem Reichsdeputationshauptschluss vom 10. Oktober 1802 durch den das Ende des Klosters besiegelt war, besetzten bayerische Truppen das Kloster.

Große Zerstörungen richtete die Schlacht von Elchingen am 14. Oktober 1805 an, bei der die Franzosen unter Marschall Ney die Österreicher besiegten, was zur Kapitulation von Ulm führte. Napoleon ehrte Marschall Ney durch Verleihung des Titels ‚Duc d’ Elchingen‘. Diese Schlacht ist auch im Pariser Triumphbogen verewigt.

Gefördert durch das Bayerische Staatsministerium für Ernährung, Landwirdschaft und Forsten und den Europäischen Landwirschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums (ELER) im Rahmen der Umsetzung der Lokalen Entwicklungsstrategie der Regionalentwicklung Landkreis Neu-Ulm e.V..

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Das Schaudepots wird durch den Landkreis Neu-Ulm und LEADER gefördert.